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Gedanken zum Wochenende

Mit dem zarten Segen Gottes beschenkt sein

Die Apfelernte und das Erntedankfest

Von Pfarrer Nico Steffen, Pfarrsprengel Teupitz-Groß Köris

Äpfel gibt es laut Wikipedia heute in etwa 1500 Sorten alleine in Deutschland. Ein paar davon finden sich in unserem Garten. Der Glockenapfel gehört dazu und ein nachgezogenes Bäumchen der Sorte Macoun. Der alterwürdige Baum der Sorte Signe Tillisch trägt in diesem Jahr wieder sehr gut. Die rotgelben Äpfel der Sorte James Grieve leuchten auch an trüben Tagen.

Erntedank heißt das Fest, das an diesen Wochen in unseren Kirchengemeinden gefeiert wird. Bei den Apfelbäumen in unserem Garten fängt es für mich an. Einen Apfel mit seiner farbigen Schale zu betrachten, herzhaft hinein zu beißen und es dabei krachen zu hören, den Saft mit Säure und Süße zu schmecken, das ist Genuss. Erntedank bedeutet für mich, mir die gute Ernte des Jahres bewusst zu machen und mich an ihr zu freuen. Besser als mit einem knackigen Apfel geht das für mich kaum.

Vieles in diesem Jahr macht mir Sorgen und auch Angst. Umso wichtiger ist es mir, die Freude am Guten und Schönen zu bewahren und immer wieder neu zu entdecken. Der Garten mit seinen Früchten und seinen Blüten, den schönen Stunden mit der Familie und mit Freuden ist Teil davon.

Ein paar der Äpfel aus unserem Garten werden am Sonntag in der Kirche liegen und den Altar schmücken. Zum Genuss der Ernte gehört für mich auch meine Dankbarkeit für all das Gute in meinem Leben. Als Geschenk Gottes und als seinen Segen erlebe ich es.

Die Worte, die Matthias Claudius in seinem bekannten Lied zum Erntedankfest dichtete, kommen mir dabei in den Sinn: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand“ (Ev. Gesangbuch Nr. 508). Vieles können wir selbst für eine gute Ernte, gute Erfahrungen und auch für ein achtsames Miteinander tun. Gleichzeitig spüre ich immer wieder die Unverfügbarkeit dessen, was man Gelingen, Glück oder eben auch Segen nennt. Um Äpfel zu ernten, müssen wir Apfelbäume pflanzen, sie pflegen und bei Dürre gießen.

Dazu kommen muss dann Vieles, das ich selbst nicht in meinen Händen halte. Bei unseren Apfelbäumen darf es im April nicht zu kalt sein, damit die Blüten nicht abfrieren. Auch die Bienen brauchen Wärme. Sonne und Regen müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Der Wind sollte die unreifen Äpfel nicht pflücken und schon gar keine Äste abknicken.

„Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein, er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein“ heißt es bei Matthias Claudius von Gott. Mit diesem zarten Segen Gottes beschenkt zu sein, macht mich immer wieder froh und wie bei jeder Freude ist es am schönsten, wenn ich sie mit Anderen teilen kann. Den gerade gepflückten, gelb und rot leuchtenden Apfel schneide ich in Viertel und teile ihn mit meinen Kindern. Gemeinsam freuen wir uns an seinen Farben und seinem Geschmack.

Haben wir am Sonntag unseren Erntedankgottesdienst gefeiert, bleiben die Äpfel aus unserem Garten und die anderen Gaben nicht in der Kirche liegen. Wir bringen das Obst und das Gemüse, die Brote, die gute Ernte in Körben und Konserven zum CARIsatt-Laden der Caritas in Königs Wusterhausen. Dort werden mit den Lebensmitteln Menschen unterstützt, die von Armut betroffen sind.

Matthias Claudius dichtete in seinem Lied von Gott: „Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot; er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot“. An uns allen ist es, das Brot, guten Gaben Gottes und so schließlich auch die Freude mit einander zu teilen.