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Gedanken zum Wochenende

Der erste reformatorische Politiker

Der Reformator Martin Luther und der Kurfürst Friedrich III von Sachsen sind sich nie begegnet, dennoch hatten ihre Entscheidungen immer auch Folgen für den jeweils anderen.

Von  Pfarrer Tobias Kampf, Pfarrsprengel Nuthe-Fläming

Kaiser und Könige wurden oft Beinamen verliehen, die ihren Charakter kennzeichneten. Der Kurfürst Friedrich III. von Sachsen erhielt den Beinamen „der Weise“, weil er in der Politik weit öfter diplomatisch als kriegerisch auftrat. Als seine Berater ihm rieten, die Stadt Erfurt zu belagern, denn „es würde ihn nicht mehr als fünf Mann kosten, die dabei umkommen würden, wollte der Kurfürst es nicht tun und sprach: ‚Schon ein Toter ist einer zu viel.‘“ Diese Anekdote wusste Martin Luther von seinem Landesherrn zu berichten. Als Erbprinz erlebte der junge Friedrich, wie sein Vater Ernst und sein Onkel Albert sich so sehr zerstritten, dass sie ihre Ländereien vertraglich aufteilten – und sich danach nie wieder sahen. Es liegt nahe, zu vermuten, dass dieses Verhalten den Sohn und Neffen Friedrich nicht nur nicht behagte, sondern er bewies sogar, dass er es besser konnte.

Friedensstifter in der eigenen Familie

Als Kurfürst der ernestinischen Linie in Sachsen und Thüringen teilte er seine Regierung mit seinem Bruder Johann. Friedrich zog nach Torgau und Johann blieb Weimar. Trotz der räumlichen Trennung trafen sie Entscheidungen gemeinsam. Man schrieb sich Briefe, befördert durch berittene Postboten. Der Friedensstifter in der eigenen Familie passt zum politischen Auftreten des Kurfürsten als Diplomat unter den Regenten seiner Zeit. Vielleicht motivierte ihn auch der auf Versöhnung ausgerichtete Jesus von Nazareth zu einer solchen Haltung. Zeitzeugen beschreiben zumindest, dass Friedrich den christlichen Glauben sehr ernst nahm, Gottesdienste besuchte und andere kirchliche Traditionen pflegte.

Reformator und Kurfürst sind sich nie begegnet

Das überregionale Aufsehen, das der vom Kurfürsten berufene Wittenberger Theologieprofessor Martin Luther verursachte, verfolgte er von Anfang an. Der Reformator und der Kurfürst sind sich nie begegnet. Dennoch hatten ihre Entscheidungen immer auch Folgen für den jeweils anderen. Luther blieb standhaft bei seiner Kirchenkritik und zog den Kirchenbann des Papstes und die Reichsacht des Kaisers auf sich. Friedrich der Weise folgte weder dem Papst noch dem Kaiser im Umgang mit Luther. Das beeindruckte vor allem andere Kurfürsten, die ihn bei der nächsten Kaiserwahl unterstützen wollten. Friedrich der Weise lehnte die Kandidatur ab, ließ aber vor dessen Wahl Kaiser Karl V. einen Vertrag unterzeichnen, der die Macht des Kaisers klar begrenzte. „Nichts kann so scharfsinnig geplant werden, dass es nicht wiederum umgeworfen wird.“ Mit diesem Spruch zeigte Friedrich der Weise, dass er sowohl Politiker als auch Realist war. Sein Schutz für Martin Luther, der die päpstlichen Finanzpraktiken anprangerte, war zuerst politisch motiviert. Er förderte die Ausbreitung der Reformation, die aber dann auch seine persönliche Religiosität berührte.

Der tief gläubige Friedrich, der in der damaligen Frömmigkeit mit Marienverehrung und Ablass verwurzelt war und eine der größten Reliquiensammlungen seiner Zeit besaß, gewann bei Luther neue Impulse für sein Glaubensleben. Auf seinem Sterbebett ließ er sich das Abendmahl in Brot und Wein reichen, was als sein Bekenntnis zum lutherischen Glauben gelten kann. In der Evangelischen Kirche ist der 6. Mai der Gedenktag Friedrichs des Weisen.