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Gedanken zum Wochenende

Urknall oder Schöpfung?

Religion und Naturwissenschaftliches Denken müssen kein Widerspruch sein, sondern können sich gegenseitig befruchten.

Von  Pfarrer Friedemann Düring, Kirchenkreis Zossen-Fläming

„Glauben Sie wirklich an Gott? “ - Diese Frage wird mir öfter von Menschen gestellt, wenn ich erzähle, dass ich Pfarrer bin. Und öfter folgt als Erklärung: „Ich habe es ja nicht so mit der Religion“. Dagegen sprächen ja die Erkenntnisse der Naturwissenschaften. Oder, jeder und jede könne ja glauben, was er oder sie möchte.

Grundfragen des Lebens im Dialog

Diese Erfahrung war einer der Gründe dafür, weshalb mein Kollege Holger Müller-Brandes aus dem Kirchenkreis Uckermark und ich einen Online-Glaubenskurs gestartet haben, zum Thema: „An was können wir glauben?“. Wir versuchen dabei wichtige Grundfragen des Lebens in den Dialog zwischen Theologie, Philosophie und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu bringen. Und wollen dabei auch darüber nachdenken, was das mit uns macht.

Am ersten Abend mit über 20 Teilnehmenden ging es um die Frage: Schöpfung oder Urknall? Und eine Erkenntnis dieses Abends war, dass diese Alternative so als nicht ganz korrekt angesehen werden kann. Sondern, es lassen sich sogar einige spannende Parallelen entdecken. Zum, Beispiel: Der Gedanke, dass ein personaler Gott, hinter allem Leben steht, kommt ohne Bildsprache nicht aus. Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Welt in sieben Tagen entstanden ist. Aber es ist ein ganz wunderbares Bild dafür, wie sich Menschen Gottes Wirken in der Welt vorgestellt haben.

Die Vorstellung hält sich in den Köpfen

Bei den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ist das eigentlich ganz genauso. Die Vorstellung von einem Urknall als Punkt, an dem die materielle Welt in Bewegung kam, ist auch nur ein Bild. Moderne Quantenphysik, basierend auf Einsteins Relativitätstheorie, hat solchen mechanischen Vorstellungen längst widersprochen und bringt ganz andere, viel dynamischere und öffnende Ideen ins Spiel. Dennoch hält sich das Bild vom Urknall wacker in den Köpfen. Und es wird so getan, als hätte das nichts mit dem Glauben an einen Schöpfergott zu tun.

Doch das Gegenteil ist der Fall. So konstatiert der Physiker Hans-Peter Dürr in einem gleichnamigen Buch: Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen. Gemeint ist damit nach meinem Verständnis, dass wir die eigentliche Wirklichkeit nicht angemessen beschreiben können, egal ob wir uns mit naturwissenschaftlichen Methoden diesen Fragen nach dem Ursprung des Lebens zuwenden, oder von religiöser Seite her.

Ich finde, mit dieser Einsicht bieten sich doch genügend Anhaltspunkte, um miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. Die Religion nimmt dabei zuerst die Frage nach dem Sinn des Lebens in den Blick, eine Frage, die ja nicht unbedingt zur Prämisse naturwissenschaftlichen Denkens gehört. Deshalb werbe ich dafür, Religion nicht nur als Privatsache abzutun, sondern als notwendige Stimme im Konzert allen wissenschaftlichen Denkens anzuerkennen. Und dann vielleicht auch irgendwann zu spüren: Es bereichert mein Leben, es gibt Hoffnung, Halt und Weite, wenn ich anfange von anderer Seite darauf zu schauen.

Sind Sie neugierig geworden? Dann können Sie sich gerne noch für den 2. Abend mit dem Thema „Existiert Gott?“ am 27.1. um 19 Uhr anmelden.

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